Kategorien
Zeitgeist

Isolation

Die momentane Pandemie zwingt uns alle, Abstriche zu machen. Wir sind wie eingesperrt.

Es fällt mir in diesem Zusammenhang äußerst schwer, diesbezüglich dem Rat der Britischen Regierung zu folgen, wenn man den Geschehnissen nachsieht, den Pleiten, die Inkompetenz erlebt, das ständige Zögern und die unerträgliche Tendenz ertragen muss, alles in ihrem Interesse politisiert vorgesetzt zu bekommen. Selbst der Zwang zum Handeln wird nicht verschont. Es ist buchstäblich zum Kotzen denn das Handeln Müssen ist selbstverständlich. Es darf nicht politisiert werden wenn Menschen im Land täglich in den tausenden sterben.

Für mich ist es selbstverständlich, mich so viel wie möglich zu isolieren, um selbst nicht zu erkranken und vor allem meine Mitmenschen zu schützen helfen. Dabei gefällt es mir allerdings eher weniger, von zwei Polizisten mit strenger Miene ausgefragt zu werden, wie passiert letzte Woche nach einem Überflug einer Polizeidrohne, warum ich mit meinem Hund allein im lokalen Park spazieren gehe. Ist ja erlaubt. Noch.

Es ist mir klar, dass es Idioten gibt, die das alles so sehr viel besser wissen und ihre Parties weiter feiern aber mit einer heftigen Buße bedroht zu werden für ein alleiniges Gassi gehen macht mich dann doch nervös und tut wenig, meine Meinung zu ändern, dass wir hier in England

von einem Haufen narzisstischen, selbst gefälligen, Macht besessenen, bedauernswerten und inkompetenten Halbdackeln regiert werden, die total unverständliche Regelwerke verabschieden, welche dann von von vermeintlich gut meinenden aber im allgemeinen ahnungslosen Polizisten angewendet werden. Zumindest wird das versucht doch der Glaube an die Notwendigkeit des ganzen bleibt dabei auf der Strecke.

Mir ist klar, dass ich mich hier in England, als Deutscher, mit solchen Aussagen Kritik aussetze. Aber ich sehe es so und habe bislang keinen Grund oder Anlass, das zu revidieren. Leider.

Die Stärke meiner Reaktion ist auch ein Nachwirken der momentanen Konsequenzen des vier Jahre lang verhandelten Brexit Abkommen. Während die hiesigen Politiker den ‘Erfolg’ feiern, nehmen die holländischen Grenzler den Brummie Fahrern die Schinkenbrote ab und britische Musiker begreifen, dass sie von nun an in vielen EU Ländern ein Visa brauchen und teilweise auch eine Arbeitserlaubnis wenn sie dort auf der Bühne stehen wollen. Ich könnte noch viele andere Beispiele nennen. Es ist ein heller Wahnsinn was hier passiert. Wie kann man solchen unterdurchschnittlichen Politikern dann noch in einer solchen Pandemie vertrauen? Nein, ich bin nicht glücklich mit alledem und was die Pandemie angeht isoliere ich mich weiter und warte eben bis ich an der Reihe bin mit der Nadel und dem Vakzine.

Was das Abstriche abgeht, das Eingesperrtsein, da bin ich überrascht über die Auswirkungen obwohl sie zu erwarten waren. Ich lebe vielleicht meist sowieso relativ privat, aber die Erkenntnis, eben nicht ins Konzert gehen zu können, einfach mal kurzfristig zum Buchhändler in die Stadt zu wandern oder an den schönen Norfolk Strand fahren zu können, 30km Richtung Norden, das alles finde ich eher nicht so ganz einfach. Das Wissen, es nicht zu können, selbst wenn ich in der momentanen winterlichen Kälte sowieso zu Hause bleiben würde. Dieses Wissen, dass das alles im Moment nicht geht, fällt mir äußerst schwer. Ich fühle die Einschränkung, fühle das Eingesperrt Sein. Das äußert sich zum Beispiel bei der Arbeit. Ich sitze vor dem Bildschirm zu Hause, will arbeiten, erkenne die Problematik, weiß um die Lösung aber ich kriege wenig auf Papier. Leerlauf. Das ist kein Aufschieben. Ich schiebe nichts auf. Aber irgendwie fehlt der Funke, der Antrieb. Das Einzige dass in den Kopf kommt ist das Wort ‘Raus’. Raus aus dem Haus. Ich will meinen Frieden zurück. Aber das geht eben im Moment nicht. Stillstand. Trübsal blasen als Konsequenz. Melancholie. Oder man ist irritiert. Oder alles zusammen. Es hat keinen Sinn, sich zu sagen ‘reiß Dich zusammen’. Habe ich schon versucht aber irgendwie fehlt der Ansporn. Irgendwie habe ich hier noch nicht die Lösung gefunden und die einzige Erleichterung in alledem ist die Tatsache, dass es meinen Kollegen genau so geht. Vor allem denen, die alleine leben.

Court grants prisoner permission to use his laptop in prison cell | News24

Dieses eingesperrt Sein ist scheußlich. Es ist ja in der Tat der Grund warum man für viele Verbrechen eingesperrt wird. Man weiß dass es weh tut, eingesperrt zu sein. Der einzige Unterschied ist dass wir ja nun eben nicht Gesetze gebrochen haben, die eine solche Strafe rechtfertigen würde. Das Ganze stinkt wirklich zum Himmel.

So verbleibt eben der eine Trost. Wir sind nicht allein damit. Dieses eingesperrt Sein trifft uns alle. Die Risiken und Konsequenzen auszubrechen bei allen die Gleichen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Ich halte mich an solchen Krücken fest.

Habe ich noch andere Vorschläge? Eher nicht und doch habe ich fest gestellt dass ich vieles tue, für so manches Zeit habe, was ohne Isolation nicht wäre. Aufgeschobene Reparaturen im Haus: alle erledigt. Ein paar neue Lieder geschrieben. Alte Freunde kontaktieren (ohne Facebook), mehr lesen. Irgendwie habe ich angefangen, andere Dinge zu tun als sonst. Und es lohnt sich in unerwarteter Weise. Und ich bin darüber hinaus dabei, jetzt eben doch mehr ins Innere zu schauen. Da sind wir alle sehr gut im Vermeiden. Aber da gibt es Schätze zum ausgraben und dabei vergeht die Zeit fast unbemerkt.

Vielleicht doch noch die Möglichkeit für etwas mehr Selbstfindung. Und da müssen wir eben den inneren Stimmen zuhören. C G Jung sagte dass der Blick nach Außen zum Inneren gewandt werden muss. Sich selbst entdecken gibt einem alles was man ist, wofür man geschaffen ist, alles was was man zum Leben braucht und alles für was es sich zu leben lohnt.

Und ums ins Innere zu schauen, grabe ich dann gerne auch alte Photos aus.

Auch daran halte ich mich im Moment fest. Außen gibt es im Moment nicht viel außer Ärgernissen. Vielleicht hat CG Jung hier recht. Er hat meistens recht.

Ernsthaft, in dieser scheinbar nicht enden wollenden Pandemie und der damit verbundenen Isolation zeigen alle Wegweiser, wie es scheint, ins Innere und die Pfade dahin sind alle offen. Wir zögern. Klar. Keine dummen Politiker hier, keine halbgebackene Politik und Regelwerke oder Gesetze, aber ansonsten wissen wir nicht was wir finden werden. Aber wie schon mal zitiert, die dunkle Höhle im Innern, vor der wir uns am meisten einzutreten fürchten, verbirgt die Schätze die wir am meisten suchen.

Vielleicht doch ein Hilfsmittel gegen das eingesperrt Sein. Ich werde es mal versuchen. Wie ist es mit Dir?

Macht’s gut und bis die Tage

Eine Antwort auf „Isolation“

Was ich sehr beängstigend finde sind die Zustände in den USA. Überrascht war ich weder von der Wahl vor 4 Jahren als von dem was folgte. Auch die Ereignisse des 6. Januar kamen nicht überraschend. Wie wird es weiter gehen? Es gibt dort ein Potential von ca. 40 Millionen Menschen, die an Wahlbetrug zu Ungunsten von Trump und sonstigen Irrsinn glauben (Q). Ein Großteil diese Menschen ist auch noch bewaffnet. Die GOP ist von ein paar Ausnahmen abgesehen ein Haufen von Feiglingen, die diesem Idioten immer noch in den Hintern kriechen. Twitter sieht sich gezwungen den Idioten abzuschalten und Putin, das Saudische Königshaus und andere Gangster twittern lustig weiter … Da stimmen die Relationen nicht. Aber wie soll man damit umgehen?
Aber es gibt auch Positives. Hier jedenfalls. Die CDU hat sich (Dank Merkel?) so verändert, dass man es schier nicht fassen kann. Merz ist zum 2. Mal nicht zum Vorsitzenden gewählt worden. Die Partei ist heute das geworden wovor sie in den 50er bis 90er Jahren immer gewarnt hat.

Mein Hilfsmittel gegen das eingesperrt sein: Musik! (und spazieren gehen, was Gott sei Dank noch geht. Wir sind nicht in Frankreich)

Schreibe einen Kommentar zu Dirk Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.