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Zeitgeist

Gutes neues Jahr

So, jetzt haben wir 2021. Liebe Leser und Leserinnen, verzeiht mir die Verspätung. Brexit, dieser wahnsinnige Rückschritt ist jetzt besiegelt, wir haben eine aus der Kontrolle gehende Pandemie, beängstigende Inkompetenz in unseren Führungskreisen, eine Mob der das US Kapitol besetzt….irgendwie habe ich da den richtigen Übergang verpasst. Wir scheinen in einer bestätigenden und wachsenden Schlammschlacht zu waten.

Wir sterben in den tausenden jeden Tag und weiterhin jedoch ignorieren zu viele die Realitäten und kläglichen Regeln zur Begrenzung des Ganzen. Wir sind eingepfercht in unseren Lebensräumen, Wohnungen, Häusern. Etwas was ich letztes Jahr versucht habe, zu beschreiben, kommt jetzt wieder ans Licht. Wir sind im Moment alle vermehrt als Individuen gezwungen, auf unsere unangezapft gebliebenen Ressourcen zurück zu greifen. Bis jetzt konnten wir das ganz einfach, es gab ja immer noch etwas zum kaufen als Ablenkung, einen neuen Strand irgendwo zu entdecken, um zu suchen versuchen, was nur in unserem Innern zu finden ist, durch Bescheidenheit und bisweilen unangenehme Anstrengungen. Ablenkung is ein wirksames Mittel der Vermeidung der Realitäten. Aber im Moment verschafft Ablenkung keine Erleichterung mehr. Bei mir jedenfalls nicht. Den Tatsachen ins Auge sehen, unsere Aufgaben zu akzeptieren, mehr Leiden zu verhindern helfen, Abstriche machen an unseren Ambitionen und Erwartungen, große Abstriche, was wir eigentlich tun wollen, objektiv zu bleiben und Dinge so zu nehmen wie sie sind und nicht wie wir sie sehen wollen und vor allem, freundlich und vergebend gegenüber denen zu verbleiben, die gegen ihren Willen in Pandemie bedingten Bedingungen auf engstem Raum mit uns auszukommen versuchen.

Nein, es sind keine einfachen Zeiten. Viel wird von uns verlangt, vor allem in Bereichen in denen wir normalerweise weniger Zeit zu verbringen versuchen. Barmherzigkeit, Geduld, Zuversicht, Hoffnung, in Bereichen wo es eher weniger Sicherheit zu geben scheint als gewohnt und es scheint auch kein Ende in Sicht. Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

Ich schlafe eher weniger im Moment. Ich leide nicht so sehr an dieser Schlaflosigkeit als das ich eben mehr als sonst diesen unterschwelligen Pulsschlag zu fühlen glaube und das ist eher weniger angenehm im Moment. Es geht uns allen nicht zu gut. Etwas tut uns mehr weh als sonst. Man kann es spüren.

In solchen Zeiten – und der Winter hilft hier nicht – versuche ich bewusst dankbar zu sein für ein warmes Bett, einen vollen Kühlschrank, trockene Füße. Einfache Dinge und doch so wichtig. Es könnte schlimmer sein, sage ich mir. Geben wir es ruhig zu. Und es gibt eben keine Sicherheit. Es gibt sie sowieso nicht aber im Moment jedenfalls scheint es noch weniger Gelegenheiten und Möglichkeiten zu geben, das zu verdrängen. Im Moment zu leben, los zu lassen usw, letztes Jahr schrieb ich darüber und wie schon gesagt, ich lese im Moment erneut meine eigenen Gedanken vom letzten Jahr.

Vielleicht ist jetzt wirklich der geeignete Augenblick, erneut in uns zu kehren und zu bewältigen versuchen, was uns zeitlebens zu schaffen gemacht hat und eben nicht nach erneuter Ablenkung zu suchen, noch ein Fest, noch eine Party, noch ein Versuch, uns einzureden darin läge die Lösung. Wenn wir es nicht schon in uns tragen, werden wir die Keime zum Glück in solchen Versuchen der Ablenkung auch nicht finden.

Es ist in uns. In greifbarer Nähe.

Als ich anfing zu schreiben war meine Absicht, nicht allzu offen und intensiv über Politik und weltliche Geschehnisse zu elaborieren. Eher weniger. Aber ich finde, es muss heute doch mit einbezogen werden da es, im Moment jedenfalls, in so vieler Hinsicht vermehrt den Hintergrund bildet, auf dem unser Leben sich zu bewegen scheint. Das Äußere und Innere unserer Welt ist ineinander verschlungen. Und während es eher schwieriger ist – aber im begrenzten Sinne möglich – im Moment die Äußere Welt zu ändern, so können wir sehr wohl beeinflussen was in uns geschieht. Und darüber beabsichtige ich weiterhin zu schreiben oder eben offen nachzudenken. Hinter jedem noch so schwarzen Hintergrund erscheint ein kleiner heller Fleck als Stern. Man muss in der Tat in die Dunkelheit treten, um überhaupt die Sterne zu sehen. Und je mehr Sterne, umso heller das Licht im Bilde.

Ich erhielt kürzlich eine persönliche Mitteilung nach einem Beitrag, von einem mir unbekannten Leser der mir sagte, er hätte so ziemlich alles verloren doch fand in meinen Worten Hoffnung, ‘einen Lichtblick’ nannte er es, einen Lichtblick für den kommenden Tag. So etwas spornt an, weiter zu schreiben. Einen positiven Unterschied zu machen, im Leben eines Freundes, Nachbars oder Fremden….versuche es einmal. Es öffnet die Augen. Ich bekam auch eine Mitteilung von Bekannten in der Schweiz und es war wirklich schön und unerwartet und zog mich selbst aus dem momentanen Blues. So etwas sollten wir öfter tun. Einander helfen, aus den Dreck zu ziehen. Ein alter reformierender Alkoholiker sagte mir einst ‘ich habe wenig Einfluss wieviel Scheiss mir in den Kopf kommt, aber ich habe alle Möglichkeiten, zu entscheiden wie lange es da bleibt’. Vielleicht eher ein bisschen grob beschrieben aber es liegt Wahrheit dahinter oder etwa nicht?

Und in diesem Sinne wünsche ich euch allen ein gutes neues Jahr.

Bleibt dran.

Macht’s gut und bis die Tage

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