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Angst

‘Wenn Dich etwas betrübt oder bekümmert, dann kommt der Schmerz nicht von dem Dinge selbst, sondern von dem was Du daraus machst; und Du hast die Macht, diesem die Kraft zu entziehen‘. Das stammt von Markus Aurelius und ich vermute einmal dass er von solchen Sachen wie Angst etwas wusste. Er starb, so wird vermutet, an einer Pest. Als einer der letzten Stoiker hatte er wahrscheinlich akzeptiert dass die Pest seiner Zeit nicht unter seiner Kontrolle war, aber seine Reaktion und wie er damit umging, sehr wohl. So steht es jedenfalls geschrieben.

Viele Einsichten von Markus Aurelius haben mich über die Jahre begleitet und diese eben genannte hat sich gerade neu gemeldet. Wie viele andere Menschen im Moment, lebe auch ich unter Pandemiebeschränkungen und den damit verbundenen Ängsten. Mich zu infizieren mit dieser scheußlichen und sehr ansteckenden Krankheit ist ein ernsthaftes Risiko für mich. Ältere leiden mehr als junge, Menschen mit bestehenden Leiden mehr als gesunde. Im Durchschnitt jedenfalls. Carl Brandauer jedenfalls hat einen Hausarzt und der sagte ihm diese Woche: ‘Das überlebst Du nicht!’

Das tut weh.

Es ist denn auch nicht verwunderlich, dass meine Einschätzung dieses Unstandes ziemlich ernst ist, aber damit umgehen muss ich dennoch und über das ‘wie’ da kann und muss ich mitentscheiden.

Ich versuche mehr oder weniger erfolgreich zu vermeiden, verängstigt und tatenlos herum zu sitzen. Das ist nun wirklich einfacher gesagt als getan. Aber ich habe ein Dach über dem Kopf und das Zimmer ist warm. Ich habe genug zu essen, ein bequemes Bett und einen klaren Kopf. Beneidenswert. Viele haben das nicht. Ich erinnere mich täglich an ein paar Segnungen die das Leben mir geboten hat. Das ist eine wirksame Übung und bringt Licht in jeden neuen Tag. Im Moment gibt sie mir noch zusätzlich ein bisschen extra Stützung. Die brauche ich auch.

Wie überall hat auch mein Leben im Moment seine ungewöhnlichen und weit greifende Herausforderungen. Was soll man machen mit Mitbewohnern, Kindern, Jugendlichen, Untermietern, die von sonst wo nach Hause kommen? Wie bleibt man sicher, gesund, wie bleibt man klar im Kopf in der unfreiwilligen Isolation? Wichtige Fragen und die Worte von Markus Aurelius kommen mir wieder in den Kopf. Ich versuche, vernünftig zu bleiben und sehe mich an, die Dinge einzeln und nach und nach ruhig anzugehen. Es ist wirklich nicht einfach, aber ich versuche es.

Hier geht es nicht um die Angst, etwas zu tun, vor dem man Angst hat. Hier geht es nicht um etwas sich zu trauen. Hier geht es um Besonnenheit, Zuversicht und Hoffnung, die Kraft zu finden, weiter zu machen. Schritt für Schritt. Hier geht es um den ständigen Kampf gegen diese aufdringlichen inneren Stimmen, die immerzu flüstern: ‘was soll das alles? Ist sowieso egal….kriegst Du ja sowieso, diese Krankheit.’

Mit dieser Angst zu leben finde ich schwer. Und so haben mir viele Gespräche geholfen letzte Woche, mit Lesern, Freunden, Familie und Kollegen. In gewisser Weise rückt das alle bewegende Thema immer wieder ins Zentrum des Gesprächs. Ungemein hilfreich war hier immer wieder der starke Eindruck, dass das Leiden ein geteiltes Leiden ist. Wir alle leben damit. Wir sind nicht allein. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wir haben also, nach Aurelius, die Kraft, uns den Auswirkungen dieser Ängste zu entziehen, ihr die Kraft zu nehmen. Das konnte ich noch nie so gut und schon deshalb vielen Dank an alle, mit denen ich in den letzten Tagen gesprochen habe, und die mir geholfen haben, mich den zur Angstbekämpfung nötigen Kraftanstrengungen besser stellen zu können.

Ich wünsche auch euch Kraft und Mut, weiter zu machen und dabei ruhig zu bleiben. Ich lese im Moment ein paar zu lang vergrabene Bücher. Es lenkt mich ab und die Seele tut das Ihre mit der Angst so nebenbei und unbemerkt. Ich hoffe, auch ihr findet eine gute Beschäftigung und Ablenkung von den Sorgen.

Einfach nur herum zu sitzen bringt mich zum zweifeln und Zweifel erzeugt Ängste. Wenn ich mich beschäftige, wie schwer es auch sein mag, mich vom Sofa zu ziehen, vergehen die Zweifel und Zuversicht wird spürbar. Und Zuversicht macht Mut, weiterzumachen. Und dieser Mut hilft mir, dem die Kraft zu entziehen, was mir in dieser Pandemie Angst macht.

Bleibt gesund und bis die Tage

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Grenzen spüren

Für Markus

Vor nun fast einem Jahr hatte Carl Brandauer einen Schlaganfall. Ein gewaltiger Schuss vor dem Bug. So vieles war am Werden und Gestalten. Viele Pläne waren geschmiedet, Freude aufs Nächste groß. Alles kam zum Stillstand. Alles, vor allem Innerlich. Und die Augen wurden geöffnet, ganz arg weit.

Es ist kein Geheimnis, dass Menschen sich durch gesundheitliche Krisen oft zu ändern scheinen. War das auch bei Carl Brandauer so? Ja und Nein, geändert hat er sich eigentlich nicht, nur was er sieht und wie, sehr wohl und was er lange zu sein glaubte, auch das ging über Bord. Zurück blieb nur er selber wie er wirklich ist, schon immer war oder vielleicht schon immer hätte sein sollen.

Dennoch, nichtige Streitigkeiten sind ihm jetzt mehr zuwider als je zuvor. Eitelkeiten und sich Aufblasen, sowieso niemals sein Ding, sind jetzt erst richtig abgesagt. Und das Verlangen, sich blöden oder einfach dummen Äußerungen zu stellen wenn es vermeidbar ist, vor allem von denen die es auf Grund ihres Standes und Amtes eigentlich besser wissen sollten, die ist jetzt auch völlig weg retuschiert. Akzeptanz zu finden, zum Beispiel, für Ignoranz von vor allem jüngeren Mitarbeitern, das ist jetzt eine echte Herausforderung geworden aber man ist ebenso überrascht wie man sie auf einmal meistert irgendwie, ohne großes Tun. In gleichem Maße sind die Fähigkeiten zu Verzeihen und Verzichten immens gewachsen. Nicht mehr jeder Streit um Banales ist Carl Brandauers Aufgabe zu schlichten, nicht mehr jedes offenkundig falsche Argument seine Aufgabe anzufechten, nicht jeder Umstand, so bedauerlich er auch sein mag, für ihn zu verbessern. Oft sind es andere, nicht selten von zweifelhaften Ambitionen getriebene Kollegen, die das Leben unnötig erschweren und komplizierter machen als es nötig oder ratsam ist. All das kümmert ihn weniger. Wer einmal auf der Matte lag, so richtig nah am Fenster zum Jenseits, der hat willentlich oder nicht, für solche Geschichten ganz einfach keine Zeit mehr. Wenn überhaupt etwas, so sind solche weltlichen und menschlichen Anzeichen nur noch Anlass für leichte Irritation oder ganz einfach tiefes Bedauern. Etwas hat man erkannt und waltet dadurch anders im Leben das verbleibt. Zu diesem Etwas gehören auch die Grenzen denen man sich plötzlich fügt, fügen sollte, auf einmal akzeptieren kann, erkennen kann und auch erkennen muss.

Wieviele Scharlatane weisen uns an, unsere Grenzen zu sprengen, das Grenzen wohl nur ein Gespinst sind, gewoben aus unserer eigenen Schwäche, das die Welt grenzenlos ist, und es nur an uns selbst liegt, wo sie liegen, diese Grenzen. Alles geht, sagen sie uns, nur wir selbst sind uns im Weg. Zu lange bin auch ich diesen Stimmen gefolgt. Heute halte ich sie für gefährlichen Unsinn. Wie viel besser würde es sein, wenn wir versuchen würden, schon früher ‘sich selbst’ besser kennen zu lernen in jeder Hinsicht und zu lernen wer wir wirklich sind. Das bessere Kennen der eigenen, wirklichen Grenzen käme mit alledem und dazu vor allem die Einsicht in den Unterschied zwischen dem was unsere wirklichen Grenzen sind, innerhalb derer wir frei sind, um zu leben für das wir geschaffen wurden, und solchen die uns gesagte Scharlatane offerieren, als uns auferlegt reklamieren, uns Kommerz einredet, überwinden zu können mit dies und jenem Produkt, uns korrupte Politik zu überzeugen versucht, wenn sie sagt etwas sei gut für uns. Von letzteren Grenzen möchte ich nicht weiter reden. Erstere jedoch, Grenzen die uns als Individuum anhaften, mit denen wir zur Welt kamen, die es nichts kostet zu erkunden als Verstand, Vernunft und Bescheidenheit, die sind es von denen ich spreche. Sie nicht zu kennen ist wie das Suchen im dunklen Wald, sie nicht kennen zu wollen ist Ignoranz, sie nicht zu erkennen versuchen, eine Garantie auf langwierige Fehler, vergeblichen Versuchen, Leid und Enttäuschung. Ich kann ein Lied davon singen. Fast hätte ich die Kurve nicht gekriegt.

Grenzen spüren war mir in der Jugend ein Verlangen, doch hat sich dieses Verlangen in ein ‘Erinnert Werden Wollen’ gewandelt. Wo früher der Drang an Grenzen zu stoßen als treibende Kraft waltete, sie vielleicht sogar zu durchbrechen, ist heute die Vorsicht vor dem an die wirklichen Grenzen zu gelangen, ein vorwiegendes Motiv für Aktionen aller Art. Nicht unerwartet geht jetzt vieles nicht mehr einfach so, doch überraschenderweise und oft unerwartet geht so manches jetzt allerdings sehr viel einfacher. Schon seltsam, denn keine brachiale Gewalt scheint mehr nötig sondern Umsicht und Verstand treten vermehrt ein. Wo es einst mit dem Kopf voran durch die Mitte durch musste, geht jetzt vorerst alles erst einmal durch den Kopf.

Doch diese Verwandlung oder Veränderung kann bisweilen auch heute noch schief gehen was das Interpretieren der Zeichen angeht. Vielleicht überschätzt man bisweilen immer noch seinen physischen Zustand bei Bergwanderungen oder die Ausdauer der Konzentrationsfähigkeit bei langen Arbeitssitzungen, die bis in den Abend gehen können. Das richtige Einschätzen des jeweiligen seelischen und physischen Zustandes ist eine nicht leichte Aufgabe und es gibt keine Konstanten. Jeder Tag ist anders, jede Situation unterschiedlich und auch die Jahreszeiten und das Wetter spielen eine Rolle, wie auch die Qualität des Schlafes in der Nacht zuvor. Man bezahlt hier heftiger als früher für Irrtümer und Erholungszeiten werden länger je nach Grad des begangenen Fehlers. Doch mit der Zeit lernt man besser, die Zeichen zu orten und zu verstehen.

Man zündet eben die Kerze nicht mehr an beiden Enden an. Man brennt langsamer, weniger hell aber beständiger und verlässlicher und man gibt weniger leicht auf, denn eine Qualität die man erlernt hat beim an die Grenzen zu stoßen wenn man älter ist, ist eine bestimmte Art der Geduld. Jugend hat keine Geduld, ja sie darf sie nicht haben, sonst wäre sie eben nicht Jugend. Die Fähigkeit zu warten, Ungelöstest eben ungelöst zu belassen für längere Zeit, mehrere Probleme in der Schwebe zu halten für längere Zeit, das kann keine Jugend. Warum soll sie es auch können? Gelehrt wird es ohnehin nicht, vor allem nicht in der heutigen Welt in der alles verlangt wird, jetzt, sofort, in immer mehr vorgeschriebener Weise.

Carl Brandauer kehrte kurze Zeit nach seinem Schlaganfall zurück ins Berufsleben als der, der er eigentlich hätte schon früher sein können und sollen. Eigentlich der Gleiche und doch mit verlässlicherem Blick. Aber jeder hat seine eigene Odyssee zu bewältigen bevor er das schaffen kann. Warum das so ist, verbleibt mir trotz aller Anstrengungen verborgen. Aber Grenzen zu spüren, sie zu spüren erlernen, lieber früher als später, erscheint einer der Schlüssel für eine bessere, einfachere und angenehmere weitere Reise zum Ziel.

Bis die Tage

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Übers Leben

Los lassen

‘Kein Dummkopf der los lässt von dem was er nicht zu halten vermag, um zu bekommen, was er nicht verlieren kann.‘ so ungefähr lässt sich aus dem englischen übersetzen was Sandy Millar, Dekan an der Heiligen Dreifaltigkeits Kirche in London vor vielen Jahren einmal sagte. Es war Sonntag und ich am zuhören, ein kleines Kind an jeder Seite und eins auf dem Arm. Damals war man noch jung, und stolz. Es war die Zeit der Saat und Worte fielen von denen ich vielleicht heute erst viele zu schätzen vermag. Zu sagen dass ich sie völlig verstehe, könnte nur heißen dass ich nichts gelernt habe seitdem.

Es ist Herbst. Mein japanischer Ahorn dröhnt in vollem Rot. Das letzte Stadium der Blätter dieses Jahr und das Schönste. Bald wird der nächste Sturm die tief roten Blätter verwehen und das war es dann dieses Jahr. Bis zum Frühling. Ich staune jedes Jahr. Alle hier in der Brandauer Familie staunen darüber. Doch für mich ist es irgendwie dieses Jahr besonders symbolisch, dass ein zu Ende gehen so kurz und doch so schön sein darf. Die Erinnerung an dieses Spektakel verbleibt noch lange nachdem die Blätter schon verweht sind.

Ich spüre wie sich mit jedem Jahr mein Verhältnis zu materiellen Dingen ändert, das Besitz immer weniger Bedeutung hat und anstatt dessen Beobachtung und Erkenntnis immer wichtiger werden, dringender. Das Anschaffen von Gütern über die Notwendigkeit hinaus, Geiz und Begierde nach materiellen Dingen, all das scheint irgendwie zu verschwinden, oder ist einfach nicht mehr da. Unser letztes Hemd hat keine Taschen. Wir können nichts mitnehmen.

Die Kinder gehen jetzt ihren eigenen Wegen nach. Gut! Ich hatte schon früh beschlossen, sie niemals in Richtungen zu drängen die ich es selber nicht zu wählen schaffte. Was ich nicht erreichte, soll kein Ziel meiner Kinder sein. Sie müssen selber wählen, entscheiden, leben. So ist es richtig. So muss und soll es sein. Doch wünsche ich allen fünf von ihnen das Beste auf ihren individuellen Wegen.

Ich habe getan was ich konnte. Kämpfte so gut ich es eben konnte. Oft habe ich aus eigenem Verschulden nicht immer alles so geschafft wie ich es wollte oder hätte können. Wer kann das? Doch bin ich aus alledem eben zu dem und dessen geworden der ich bin.

Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen dem ‘etwas aufzugeben‘ und dem ‘etwas los zu lassen’. Diese Einsicht war wichtig auf meinem Weg. Und das Loslassen braucht Mut weil es allzu oft um etwas geht an dem man sehr hängt. Es ist vertraut. Man kann sich nicht einfach so trennen. Aber das Leben geht weiter und weil sich eben vieles Vertrautes auch ändert oder einfach nicht mehr so funktioniert wie einst, muss man auch selbst sich besinnen und neue Wege wählen. Man hat fast keine Wahl. Selbst das Stillstehen ist eine Entscheidung.

Was nun, also?

Es reicht nicht, sich an die Vergangenheit zu klammern. Auch können wir uns nur vergeblich eine Bessere wünschen. Und fest zu halten reibt auf. Warum also nicht die verbleibende Kraft in das Neue investieren? Von dem was ich bin und habe zu lassen, um vielleicht doch noch zu dem ich noch in Stande bin zu werden, hat Versprechen. Doch noch einmal eine Brücke über die wilden Wasser der Gegenwart zu schlagen, hinüber in das unbekannte Morgen, auch darin liegt Hoffnung. Es ist unsere Wahl wann wir loslassen und loslegen, denn loslassen müssen wir sowieso irgendwann einmal. Es früher zu tun, wenn es noch unsere eigene Wahl verbleibt, braucht den erwähnten Mut doch der Lohn des Aufbruchs erwartet uns auch wenn das Unbekannte unheimlich verbleibt.

Was gibt es also zu verlieren wenn man los lässt? Eigentlich gar nichts. Und doch alles zu gewinnen.

Bis die Tage

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Einsamkeit

Wird im Moment übersetzt. Einen Moment Geduld bitte. Nicht mehr lange.

Bis die Tage

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Im Moment leben

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Übersetzung in Arbeit…

Bis die Tage

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Am Anfang…

Übersetzung in Arbeit….

Bis die Tage